Städtische Ehrungen

Einwohner der Stadt Wanfried und nicht ortsansässige Personen, die sich um das Wohl der Stadt Wanfried verdient gemacht haben, können eine städtische Ehrung erfahren. Hierzu zählt unter anderem der alle zwei Jahre vergebene Wanfrieder Bürgerschaftspreis:

Bereits zum sechsten Mal vergab die Stadt Wanfried am vergangenen Samstag den Wanfrieder Bürgerschaftspreis. Erstmals wurde dieser im Jahr 2005 vergeben. Die Richtlinien sehen eine Vergabe im zweijährigen Rhythmus vor.

Mit der Vergabe des Bürgerschaftspreises möchte die Stadt Wanfried ehrenamtliches Engagement von Vereinen, Institutionen, Verbänden oder Einzelpersonen würdigen, anerkennen und wertschätzen.

„Das Besondere daran ist die Tatsache, dass die Bürger von Wanfried entsprechende Vorschläge einreichen können und diese anschließend von einer unabhängigen Jury, die sich ebenfalls aus Bürgerinnen und Bürgern zusammen setzt und alle zwei Jahre wechselt, ausgewertet, abgewogen und die Preisträger festgelegt werden,“ betonte Bürgermeister Wilhelm Gebhard in seiner Begrüßung vor den ca. 120 Gästen im Bürgersaal des Hotels „Zum Schwan“.

In keinem anderen Land der Welt gibt es ein vergleichbar funktionierendes Netzwerk aus ehrenamtlich aktiven Menschen wie in Deutschland. „Dies wird besonders in Zeiten wie diesen, in der die aktuelle Flüchtlingssituation bewältigt werden muss, deutlich,“ bekräftige der Wanfrieder Verwaltungschef. Die aktuelle Herausforderung würde ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, beispielsweise Technisches Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz, die Freiwilligen Feuerwehren und viele mehr, nicht bewältigt werden können. „Darum beneiden uns viele andere Länder,“ so Gebhard.

„Das Ehrenamt muss von der Gesellschaft wertgeschätzt werden und das nicht nur in Sonntagsreden. Ehrenamt darf nicht nur gefordert werden, sondern man muss es auch fördern, unterstützen und konstruktiv begleiten. Das ist besonders in finanzschwachen Zeiten für eine Stadt wie Wanfried existenziell.“ Bei Veranstaltungen dieser Art werden ehrenamtliche Akteure aus dem Hintergrund in den Fokus gerückt. „Das sei wichtig,“ ergänzte Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Niklass.

Die Jury, bestehend aus Bianca Börner (Heimatverein Völkershausen), Dr. Stefan Brunzel (Gemischter Chor Heldra), Juliane von Eschwege (Förderverein Kindertagesstätte Wanfried), Wolfgang Wagner (Arbeiterwohlfahrt), Peter Feußner (Magistrat), Lisa Susebach (Stadtverordnetenversammlung), Eberhard Hohlbein (Schule) sowie Doris Vogt (Evangelische Kirchengemeinde), hatte die Qual der Wahl, aus den eingegangenen guten Vorschlägen die Preisträger zu ermitteln. Die Jury legte fest, dass aus allen Einsendungen die Plätze 1 bis 3 sowie zwei Anerkennungspreise vergeben werden sollen. Jeweils ein Jurymitglied übernahm dann auch selbst die Laudatio für den/die Preisträger/in, was von jedem Einzelnen mit Bravour gemeistert und mit Beifall honoriert wurde.

Über den 1. Preis durfte sich der Förderverein Schwimmbad Wanfried e. V. freuen, der vor 10 Jahren an den Start ging und durch sein großartiges Wirken für den Erhalt des Wanfrieder Schwimmbads wesentlich verantwortlich ist. Den Vorschlag reichte Hartmut Vogt ein. Der 2. Preis ging an Welf Lange für sein über 20-jähriges Engagement im Sport und im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, vorgeschlagen von Alisa Frommann. Der 3. Preis ging an die Hafenarbeiter im Förderverein „Historischer Hafen Wanfried e.V.“, die seit einigen Jahren durch unzählige Arbeitseinsätze für die historische Kulisse am Wanfrieder Hafen sorgen und darüber hinaus die Stadt bei zahlreichen Auftritten über die Kreisgrenzen hinaus bekannt macht. Dieser Vorschlag wurde durch Jochen Grüning und Christian Anhalt eingereicht. Die beiden Anerkennungspreise gingen nach Heldra: Ines Hoßbach wurde von Hubert Steube für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in zahlreichen Vereinen vorgeschlagen und schließlich von der Jury dafür ausgezeichnet. Die „Faschingsfreunde Heldra“ wurden von Ute Walter für die kreative und aufwendige Ausrichtung, Gestaltung und Vorbereitung der jährlich wiederkehrenden Karnevalsveranstaltungen im Stadtteil Heldra für einen Preis vorgeschlagen. Auch sie erhielten einen Anerkennungspreis.

Alle Preisträger durften sich über eine Urkunde sowie über ein Preisgeld freuen. Das Preisgeld und die Ausrichtung des Abends wurden dankenswerterweise von der Maria-Katzer-Stiftung finanziert.

Allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die einen Vorschlag eingereicht haben, sei an dieser Stelle nochmals gedankt. In zwei Jahren besteht erneut die Möglichkeit, besonderes Engagement vorzuschlagen.

Gabriele Thomas und Stefanie Krähe von der Stadtverwaltung waren für die Vorbereitung und die Organisation der Veranstaltung verantwortlich. Jessica Dielenschneider gab der würdigen und feierlichen Preisverleihung den musikalischen Rahmen am Klavier.

Als Ehrengäste konnten Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Niklass, Erster Stadtrat Dr. Gotthard Eickhoff, die Ortsvorsteher der vier Stadtteile, Altbürgermeister Otto Frank, Ehrenstadtverordnetenvorsteher Günther Winnige, Claus Wehr von der Maria-Katzer-Stiftung, Pfarrerin Rosemarie Kremmer und die Preisträger aus den Vorjahren 2005 (Walter Henze), 2007 (Hans-Jürgen Germerodt für den Heimatverein Aue e.V.) und 2013 (Christel Schmidt) begrüßt werden.

Alle vereint: die Preisträger zusammen mit der Jury des Bürgerschaftspreises. (Sitzend, von links) Heinrich Schuchhardt (Maria-Katzer-Stiftung), Claus Wehr (Jury und Stiftung), Heidi Eisenberg, Stephanie Stück, Hartmut Vogt, Ruth Köditz, Manfred Wetzer, Udo Schein und Bürgermeister Wilhelm Gebhard (Stiftung). Die Stiftung hatte den Preis finanziert.

Zum siebten Mal hat die Stadt Wanfried ihren Bürgerschaftspreis verliehen. Ausgezeichnet werden sollen die stillen Helden der Stadt, die ehrenamtlich im Hintergrund wirken.

Den ersten Platz hat in diesem Jahr Reinhard Wetzestein belegt.
Für den emotionalsten Moment des Nachmittags sorgte Markus Streitenberger. Er nahm den Preis für seinen am 9. Januar verstorbenen Vater in Empfang.

Die Preisträger

Reinhard Wetzestein

1. Reinhard Wetzestein: Von Reinhard Wetzesteins Wirken bekommt man wirklich nichts mit. Denn er arbeitet meist im Verborgenen. Dort sichtet und arbeitet er die Kirchenbücher der Stadt auf. Nicht nur das: Er digitalisiert die Aufzeichnungen sogar, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Und das nicht erst seit gestern. Seit acht Jahren hat sich Reinhard Wetzestein dieser Aufgabe verschrieben. Bis zu acht Stunden investiert er täglich in seine Arbeit. „Ein echter Vollzeit-Job“, bemerkte Laudator Hartmut Vogt in seiner Würdigung anerkennend.

Seine Arbeit revolutioniert die Familienforschung in Wanfried. Anfragen kann die Kirchengemeinde jetzt mit wenig Aufwand bearbeiten. Außerdem ist seine Arbeit Teil der Aufarbeitung der Wanfrieder Geschichte – und das bis zurück ins Jahr 1650. „Reinhard Wetzestein leistet einen großartigen Beitrag zum Erhalt Wanfrieder Kulturguts“, sagte Vogt.

Ehepaar Christa und Wolfgang Wagner

2. Christa und Wolfgang Wagner: Das Wanfrieder Ehepaar hat nach der Pensionierung erheblich in der ehrenamtlichen Arbeit nachgelegt. „Für die Kirche und die Arbeiterwohlfahrt sind sie in den vergangenen Jahren zu einer unverzichtbaren Stütze geworden“, sagte Claus Wehr in seiner Laudatio.

Gleich dreimal wurde das Lehrer-Ehepaar, das über Jahrzehnte an der Wanfrieder Gesamtschule unterrichtete, in diesem Jahr vorgeschlagen. Wolfgang Wagner war seit 1972 für 42 Jahre Mitglied im Kirchenvorstand. Nach der Pensionierung hat er zusammen mit seiner Frau die Leitung der Arbeiterwohlfahrt in Wanfried übernommen. Gerade für die ältere Bevölkerung sind sie immens wichtig und veranstalten Kaffee- und Spielenachmittage oder Bewegungsrunden. Für ihr Engagement wurden sie bereits mit der silbernen beziehungsweise bronzenen Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet.

Hat den Preis für seinen kürzlich verstorbenen Vater entgegengenommen: Markus Streitenberger.

3. Klaus Streitenberger: „Als die Jury Klaus Streitenberger den dritten Platz zusprach, konnte noch niemand ahnen, dass er den Preis nicht selbst in Empfang nehmen würde“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der die Laudatio für die verhinderte Ute Lorenz-Roth verlas. Streitenberger verstarb am 9. Januar nach kurzer, schwerer Krankheit und wurde am Freitag in aller Stille im Kreise seiner Familie beigesetzt.

Klaus Streitenberger, als Zollbeamter nach Wanfried gekommen und hier heimisch geworden, hatte sich über 30 Jahre für Wanfried eingesetzt. Der Kultur- und Verkehrsverein ist unter seiner Leitung aufgeblüht und hat zahlreiche Prominente nach Wanfried geholt. Sein größtes Verdienst ist sicherlich der Aufbau des Grenzmuseums in Wanfried. Auf seine Idee hin sei eine eindrucksvolle Dokumentation entstanden, „die Wanfried über alle Grenzen bekannt gemacht hat“. 28 Jahre hatte Streitenberger das Museum selbst geleitet. Unter anderem wurde ihm der Landesehrenbrief verliehen.

Text: Tobias Stück, Werra-Rundschau vom 21.01.2018